Autor sein ist leicht, Schriftsteller sein dagegen schwer

von | Mrz 6, 2017 | Gastbeiträge

Sind Autoren Schriftsteller oder Schriftsteller Autoren?

Ein ganz klares Ja-Nein! Ein Schriftsteller ist sicherlich immer auch Autor, denn ein Schriftsteller verfasst Texte, schreibt sie nieder und versucht diese natürlich zu veröffentlichen.

Im Ursprung war ein Schriftsteller übrigens genau das, wonach es klingt, er stellte Schriften. Denn zu der Zeit, in der dieser Begriff geprägt wurde, konnte nur ein geringer Teil des Volkes lesen und schreiben.

Wenn es also Schriftstücke gab, die wichtig waren – z.B. Schreiben an Gerichte – so wurde ein Schriftsteller aufgesucht, der dann für diese Person schrieb. Allerdings hat ein Schriftsteller auch einen höheren literarischen Anspruch. Gerade dieser literarische Anspruch trennt Schriftsteller von Autoren. Die genaue Definition von Literatur und seinem Anspruch hier auszuweiten, ginge jetzt zu weit. Wikipedia macht das recht ausführlich.

Autor sein ist leicht.

Autor wurde jeder im Grunde schon während der Schulzeit. Denkt einfach an die vielen Aufsätze im Deutschunterricht. Kaum zu glauben, aber schon bei diesen Aufsätzen wurden wir alle zu Autoren. Eigene Geschichten, selbst erdacht und aufgeschrieben. Einfach, schlicht ohne hohen Anspruch sicher, aber eben eigene.

Das macht einen Autor aus, auch das er ab diesem Moment ein Urheberrecht an seiner Geschichte hat. Das gilt ebenso für Artikel in der Schülerzeitung, die Texte auf der eigenen Homepage oder auch bei Liebesbriefen.

Ein Schriftsteller zu sein ist schon etwas mehr.

Es wird von einem literarischen Anspruch gesprochen. Ein Werk also, das in seiner Sprache und seinem Ausdruck – stark vereinfacht ausgedrückt – dazu geeignet ist, andere in ihrem Wissen zu bereichern und ihren Bildungshorizont zu erweitern. Keinesfalls sind damit Lehrbücher gemeint, eher Klassiker aus der Feder von Mann, Goethe und Schiller.

Doch wie relevant ist das heutzutage, um ein Autor zu sein?

Wenn die Menge an Lesern aus der Zeit Schillers oder Mann mit der von heute betrachtet wird, sicher nicht mehr so relevant. Lesen können ist heutzutage weit verbreitet, auch wenn es nach wie vor eine sehr große Anzahl an Analphabeten gibt. Masse zählt.

Es wird von SUB gesprochen, Stapel ungelesener Bücher, die ständig wachsen. Die können nur deswegen wachsen, weil es inzwischen so viele Autoren gibt. Darunter nur wenige echte Schriftsteller. Letztere finden sich noch seltener auf diesen SUBs. Auch das hat einen Grund. Denn nach wie vor werden Werke echter Schriftsteller bevorzugt gelesen.

Sollte ich also weniger Autor sondern mehr Schriftsteller sein?

Ein Autor findet ebenso seine Leser und Fans wie ein Schriftsteller. Schriftsteller zu sein, bedeutet nicht unbedingt mehr Ruhm. Ruhm bedeutet nicht unbedingt Bestseller. Jeder, der ein Buch schreiben will, sollte sich die Frage stellen, welche Leser er erreichen will. Möchte er „nur“ unterhalten? Möchte er ein großes Werk schaffen, das vielleicht sogar eine Art Nachricht transportiert? In jedem Fall gilt: Schuster, bleib bei deinen Leisten.

Ich selbst werde sicher keine literarischen Werke schaffen, die auch nur im Ansatz an Mann, Goethe und Konsorten heran kommen. Ich möchte unterhalten, ein wenig Nerven kitzeln. Dafür kenne ich aber lesenswerte Kollegen und Kolleginnen, die haben sicher ein Potenzial dazu.

Schriftsteller werden ist schwer, Autor sein dagegen leicht. Doch leicht haben es beide in der heutigen Zeit nicht. Wer sich dazu entschließt, sollte ein gefestigtes Selbstbewusstsein haben und viel Durchhaltevermögen. Rückschläge kommen, Erfolge ebenso.

Ich bin Autor und ich bin es gern.

Dein

Marcus Sammet

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