Der Hang zum Perfektionismus

von | Dez 9, 2016 | Tipps & Tricks für Autoren

Der Hang zum Perfektionismus kann manchmal eine Bremse sein. Wie wirkt er sich aus und wie gehe ich damit um?

Wenn ich anfange, einen Artikel zu schreiben, mache ich mir Gedanken darüber, wie er auszusehen hat. Ja, das ist normal. Bis hierhin ist auch alles gut. Vorbereitung ist die halbe Miete, oder?

Wie sich der Hang zum Perfektionismus in meinem Leben als Mensch auswirkt

Ich fange an zu schreiben und direkt beim ersten, spätestens beim zweiten Satz stocke ich.

Wie soll die Überschrift aussehen? Überschriften sind wichtig. Das weiss jeder Blogger. Ich möchte, dass mein Artikel auch gelesen wird. Hm, was habe ich kürzlich darüber gelesen? Ein Artikel kann noch so gut sein – aber er wird nicht gelesen, wenn die Überschrift nicht ansprechend ist.

Also nehme ich mir Zeit, die Überschrift zu kreieren. Ich überlege hier und da und schreibe sie mir auf. Dann lösche ich ein Wort und ersetze es durch ein anderes.
Nein, das ist auch nicht gut, also bleibt die Überschrift erst einmal stehen und ich lasse sie sacken. Auch habe ich gehört, dass “man” “etwas” aus der Ferne betrachten soll, um es als gut oder weniger gut ansehen zu können.

Wie weit bringt mich mein Perfektionismus?

Also gut, ich stehe also von meinem Schreibtisch auf und könnte in der Zwischenzeit die Wäsche in den Trockner legen, damit das auch erledigt ist. Danach werde ich mich der perfekten Überschrift widmen, weil ich Abstand gewonnen habe. So habe ich es irgendwo gelesen.

Wäsche fertig und ich begebe mich wieder Richtung Büro, damit ich mich meinem Artikel widmen kann. Ring, ring … wer stört mich jetzt in dem unpassenden Moment? Es ist meine Freundin, die nur wissen will, was ich gerade tue. “Ich schreibe gerade einen Blogartikel. Bitte lass uns später telefonieren, weil ich gerade eine gute Idee habe und die ist sonst weg.” Zum Glück ist sie damit einverstanden und nicht beleidigt. Jetzt aber ab vor den Rechner.

Als erstes fällt mir natürlich meine Überschrift auf und ich empfinde sie … als nichtssagend. Sie ist zwar nett, aber zu kryptisch. Der Leser weiss nicht, was ihn in meinem Artikel erwartet. Ähm, apropos Artikel – was wollte ich noch gleich schreiben?  Meine gute Idee von vor zwei Minuten ist wie weggeblasen und ich lasse mich frustriert auf meinen Schreibtischstuhl plumpsen.

Das darf doch wohl nicht wahr sein. Überschrift doof – Artikel nur noch in kleinen Worten im Kopf und es sind zwei sinnlose Stunden vergangen.

Was habe ich geschafft?

Was mache ich in solchen Situationen? Ich habe mal gelesen, dass man den Kopf erst einmal frei bekommen muss. Frei von was? Er ist doch frei. Es ist keine Überschrift und kein Artikel da – alles weg. Mein Blick fällt auf unsere Hündin. Sie blinzelt mich etwas mitleidig an – spürt sie etwa, dass ich nicht weiter weiss? Pling – da kommt die Idee: Ich geh jetzt einfach mal mit ihr in den Wald, damit ich mich wirklich sammeln kann.

Mit meinem Perfektionismus leben

Es ist nicht leicht, wenn man alles richtig machen möchte. Nach RICHTIG kommt PERFEKT und manchmal kommt kurz vor perfekt das TOTALE AUS. Das ist nicht der Sinn der Sache.

Ich handhabe es mittlerweile so: Wenn ich einen Artikel schreiben möchte, setze ich mich hin und schreibe drauf los. Die perfekte Überschrift zu finden verschiebe ich auf einen anderen Zeitpunkt. Manchmal findet sich vor und manchmal nach der Korrektur des Artikels die perfekte Überschrift in meinen Kopf ein.

Ja, ich liebe es, perfekt zu sein – aber nur, wenn der Perfektionismus mich an meinem weiteren Leben nicht hindert. Manchmal muss ich eine Fünf auch gerade sein lassen, allerdings nicht im Thema “Schreiben” und alles, was mit Büchern zu tun hat.

Ich schicke Dir perfekte Grüße aus Solingen rüber,
Deine Annette Meißner

 

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