Fachartikel schreiben leicht gemacht

von | Jan 22, 2017 | Wissen für Fachautoren

Fachartikel kannst Du schreiben, wenn Du ein Spezialist auf Deinem Gebiet bist. Dein Expertenwissen ist gefragter als Du denkst und es ist einfacher als Du Dir vorstellst. Nur keine Angst!

Hast Du Dich auch schon mal geärgert, wenn Du etwas liest wovon du richtig Ahnung hast und dachtest: „Das hätte ich auch schreiben können“ oder noch schlimmer: „Was für ein Blödsinn, das hätte ich besser gekonnt“? Tu es einfach!

Überschrift ist wichtig – aber nicht das Erste

Bevor Du in die Tasten haust, denkst Du Dir erst einmal eine tolle Überschrift aus? Falsch! Denn mit der Überschrift legst Du Dich vorher fest, was der Tenor des Artikels werden soll. Du bleibst die ganze Zeit über in der Zwangsjacke des Titels. Schreibe einfach los und wenn Du fertig bist, ergibt sich ein interessanter Titel meist von ganz allein. Unter den Titel kommt  – hervorgehoben – ein etwa dreizeiliger Anreißer, der ganz grob aussagt was der Inhalt des Artikels ist. Das solltest Du allerdings schon am Anfang wissen.

Und dann geht’s los? Halt! Weißt Du eigentlich wer das lesen soll? Ein Artikel über das Fliesen von Bädern in einer Fachzeitschrift für Heimwerker muss natürlich anders geschrieben werden als ein Beitrag in der Apothekenzeitung. Jetzt kennst Du Deine Zielgruppe, orientiere Deinen Schreibstil daran – und fang an.

Als Erstes konkretisierst Du den Aufreißer mit anderen Worten und machst neugierig auf den nun folgenden Inhalt. Ganz bedeutend: Das Wichtigste zuerst! Denn würdest Du selber weiterlesen, wenn der Artikel mit unwichtigen Dingen anfängt?

Zwischentitel führen den Leser

Achtung: Du schreibst keine wissenschaftliche Abhandlung, Deine Arbeit wird nicht danach bewertet ob Argumentationsketten vollständig sind. Was zählt ist, dass Du Interesse weckst, und Du als Autor vom Leser verstanden wirst.

Gliedere also das, was Du sagen willst, in Abschnitte und hebe diese vor dem entsprechenden Titel hervor. Warum? Viele Leser habe die Angewohnheit, einen Fachartikel erst einmal zu überfliegen. Wenn dann interessante Zwischenüberschriften die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ist die Chance, dass weitergelesen wird sehr groß. Oder würdest Du Dich durch 50 oder mehr unstrukturierte Zeilen durchwühlen wollen?

Auf die Wortwahl kommt es besonders im Fachartikel an

Du bist natürlich nicht nur ein, sondern vielleicht der Spezialist auf Deinem Fachgebiet. Lass es die Leser spüren. Aber bitte nicht mit der Aneinanderreihung von Fachbegriffen. Du kennst inzwischen Deine Zielgruppe, orientiere Dich in Deiner Wortwahl daran. Nichts ist schlimmer, als wenn der Leser das Gefühl hat, er könne Dir geistig nicht folgen. Auch komplexere wissenschaftliche Dinge lassen sich mit verständlichen Worten – und kurzen Sätzen – anschaulich darstellen. Übe es ruhig mal in der Kneipe nebenan und erzähle, was Du so machst. Da sitzt Deine Zielgruppe, nicht in Hörsälen.

Wie viel soll ich schreiben – wie höre ich auf?

Je mehr desto besser? Besser nicht! Denke daran, dass die Leser noch andere Hobbies haben als ausgerechnet Deinen tollen Fachartikel zu lesen. Beschränke Dich auf das wirklich Wichtige. Lass vielleicht auch noch Stoff für eine eventuelle Fortsetzung. Den richtigen Schluss zu finden ist manchmal ebenso schwierig wie das Texten des passenden Titels. Beende den Artikel so, dass der Leser merkt: „Hier ist das Ende“. Lass nicht zu, dass er weitersucht, sag ihm: „So das war‘s!“

Im Beispiel des Fliesenlegens böte sich an, am Ende zu schreiben: „Nach zwölf Stunden war alles geschafft, der Muskelkater machte sich bemerkbar. Das Angebot des Fliesenlegers über 1.000 Euro Arbeitslohn haben wir zerrissen und sind zum Lieblingsitaliener gegangen.“

Häufig siehst Du Dich damit konfrontiert, eine gewisse Zeichenzahl nicht überschreiten zu dürfen. Du wirst anfangs niemals im ersten Versuch die vorgegebene Länge erreichen. Schreibe ruhig etwas mehr und bereinige dann Deinen Text von überflüssigen Füllwörtern und unwichtige Nebensätze. Es ist kein Problem, gut zehn Prozent des Textes auf diese Art und Weise einzusparen ohne den Inhalt zu verändern. Einen zu kurzen Text auf die richtige Länge zu bringen ist viel schwieriger.

Fachartikel fertig und raus damit?

Stopp! Jetzt bitte noch mal Korrektur lesen: Rechtschreib- und Interpunktionsfehler minimieren, Sätze kürzen (auch Fachartikel dürfen Punkte enthalten) und auf Verständlichkeit prüfen. Na klar, Du verstehst natürlich alles was Du geschrieben hast, aber auch Deine vielleicht fachfremden Leser? Gib Dein Stück in die Hände einer vertrauten Person mit anderen Fähigkeiten als den Deinigen (Den hässlichen Ausdruck “Hausfrauentest“ wollte ich mir verkneifen). Lass sie es lesen und frage: „Alles verstanden?“ Kommt ein mitleidiger Blick und der Kommentar: „Du weißt doch dass ich davon keine Ahnung habe“, solltest Du Dich noch einmal an den Schreibtisch setzen.

Ende gut, alles gut

Ist der Artikel überarbeitet und eine passende Überschrift gefunden, bist Du fast fertig: Lass den Text ein paar Stunden liegen – sofern Du von der Redaktion keinen Zeitdruck hast – und lese ihn noch einmal. Dann schickst Du ihn raus, warte auf die Veröffentlichung und vergleiche Deinen Text mit dem was der Redakteur eventuell daraus gemacht hat. Sei nicht beleidigt, wenn er einzelne Formulierungen geändert oder den Titel reißerischer gestaltet hat. Er ist eben Journalist. Lerne daraus und komme zu der Erkenntnis: Fachartikel schreiben ist leicht gemacht.


Über Ulrich Winzen:

Fachautor Ulrich WinzenUlrich Winzen arbeitet seit über 25 Jahren als Analyst und Prognostiker für die Automobilindustrie.
Zurzeit ist er Partner einer Unternehmensberatung und als freier Analyst tätig. In letzterer Eigenschaft schreibt er regelmäßig Artikel über die Automobilindustrie, unter anderem für die Zeitschrift und das Online-Portal der Publikation “Automobilwoche“.

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