Gut schreiben ist wie gut kochen, oder?

von | Feb 27, 2017 | Tipps & Tricks für Autoren

Wie gut schreiben die erfolgreichen Autoren? Wie lernt man gut zu schreiben?
Wer beurteilt, dass Du gut schreiben kannst?

Wer gut schreiben kann, kann nicht zwingend gut kochen

Warum vergleiche ich jetzt das Schreiben mit dem Kochen? Das kam mir in den Sinn, als ich letzten Dienstag in der Küche stand und ein superleckeres Gericht zubereitet habe. Ja, ich kann kochen und zwar sehr gut. Das hört sich jetzt vielleicht arrogant an, aber das behaupte ich von mir und auch meine Esser pflichten mir bei.

Ich stand also in der Küche und bereitete das Essen vor. Er gab Königsberger Klopse. Das Schweinegehackte, das Brötchen, die Eier, die Kartoffeln und die Gewürze lagen  auf die Arbeitsplatte bereit. Sie warteten darauf, von mir verarbeitet zu werden.

Als das alles so vor mir lag, dachte ich: “Annette, wenn Oma dir nicht gezeigt hätte, wie sie die Königsberger Klopse gemacht hat, könntest du sie jetzt nicht so lecker kochen. Also so, wie Oma es immer gemacht hat.” Sie sagte mal zu mir: “Das, was ich dir jetzt zeige, habe ich von meiner Oma gelernt. Es hieß damals, dass das Rezept immer nur über 2 Generationen weitergegeben werden kann. Du bist jetzt diejenige, die es weitergeben muss. Aber erst, wenn du es wirklich kannst.”

Es kommt auf die Zutaten an

Oma stand also mit mir in der Küche und kochte die Königsberger Klopse. Ich stand daneben und sah aufmerksam zu. Es mussten allerdings immer die richtigen Zutaten vorhanden sein. Alternativen hat sie nicht akzeptiert. “Wenn du willst, dass es so schmeckt wie bei mir, dann musst du auch die richtigen Zutaten im Haus haben” waren ihre Worte. Selbst die Größe der Zwiebel und die Größe des Lorbeerblattes im Sud ist wichtig.

Ich konnte also nur von ihr lernen, wenn ich das, was sie mir vormachte, auch nachmachte.

Beim nächsten Mal stand sie neben mir und sah zu, wie ich kochte. Sie ließ mich Fehler machen – allerdings nur solche, die auch wieder rückgängig gemacht werden konnten. Oma griff sofort ein, wenn ich eine andere Reihenfolge einschlug oder das falsche Gewürz benutzen wollte, denn ich durfte zum Beispiel keinen schwarzen, sondern nur weißen Pfeffer benutzen. Und natürlich war es wichtig, wie viel ich von den jeweiligen Gewürzen für mein Gericht nahm. Zu viel und zu wenig ist beides nicht gut. Ein gesundes Mittelmaß ist angebracht und führt zu einem köstlichen Gericht.

Das Ergebnis beim ersten alleinigen Kochen war zwar gut, jedoch noch nicht perfekt. Allerdings wurde ich mit der Zeit immer besser. So haben wir vor vielen Jahren oft zusammen gekocht. Und heute kann ich das Rezept aus dem FF kochen und es schmeckt immer richtig lecker.

Es waren nicht nur die Königsberger Klopse, ich lernte viele andere Gerichte von ihr, denn sie konnte sehr gut kochen und liebte es. Und hier habe ich den Link zu einem Rezept von Königsberger Klopse, damit Du weisst, was ich mit meiner Oma gekocht habe.

Warum ich Dir das alles erzähle?  

Nein, es geht nicht in erster Linie darum, gut kochen zu können, es geht darum, gut schreiben zu können. Für mich haben Kochen und Schreiben etwas Gemeinsames: In beiden Fällen lerne ich von Menschen, die es richtig gut können. Jedes Mal ist der erste Schritt: Ich denke darüber nach, was ich kochen – beziehungsweise schreiben möchte. Dann stelle ich die Zutaten zusammen und mache mich ans Werk.

Das Schreiben hat gegenüber dem Kochen einen wesentlichen Vorteil: Ich kann meinen Text immer noch ändern, während ich, sollte ich die Kartoffeln versalzen haben, es nicht ohne weiteres rückgängig machen kann.

Beides kannst Du üben und daran feilen.

Gut schreiben hat nichts mit nachmachen zu tun

Es geht nicht darum, dass Du abkupfern sollst. Oh nein. Es geht darum, dass Du die grundsätzlichen Dinge lernst und beherzigst. Rechtschreibung und Grammatik sollten für Dich selbstverständlich sein. Das ist die Basis. Deiner Phantasie (ich weiß, dass ich es nach der neuen Rechtschreibreform mit “F” schreiben muss) sollten keine Grenzen gesetzt werden, denn das ist das Talent, welches Du zum Schreiben benötigst.

Zu guter Letzt bestimmt der Leser, ob Dein Buch gut, zu fad, zu salzig oder grandios ist. Genau wie das Essen, welches die Hausfrau oder der Koch zaubert.

In diesem Sinne wünsche ich Dir eine schöne Schreibzeit,

Deine Annette Meißner

 

2 Kommentare

  1. Ina Simon

    Ja, liebe Annette, ich schließe mich Dir uneingeschränkt an und überarbeite zur Zeit mein Script nach Deinen Tipps. Für mich ist es auch beim Schreiben wie beim Kochen; gelegentlich probiere ich (ohne Kochbuch) etwas aus, eine neue Zutat an einer Speise und meistens wird der Mut belohnt. Meine Familie isst zumindest gern bei mir 😉
    Kreative Grüße aus Dresden
    Ina

    Antworten
    • Annette Meißner

      Liebe Ina,
      ich freue mich über Dein tolles Feedback. Ja, Mut wird tatsächlich belohnt. 🙂
      Ich schicke Dir einen ganz lieben Gruß aus Solingen,
      Annette

      Antworten

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