Was Du als Kinderbuchautor beachten solltest

von | Nov 25, 2016 | Ein Buch schreiben

Als guter Kinderbuchautor ist einiges zu beherzigen. Hier findest Du ein paar wertvolle Tipps.

Autorentreffen und Lesungen sind für mich richtig spannend. Ich liebe diese Zusammenkünfte, denn dort lerne ich immer wieder tolle Leute kennen.

„Ich habe ein Kinderbuch geschrieben. Das handelt von …“ Und schon legt der vermeintliche Kinderbuchautor los und erzählt mir die Geschichte. Das hört sich alles absolut interessant und spannend an. Eine Geschichte von Kindern, die sich im Wald treffen, um einen Schatz zu bergen.

Soweit – so gut.

So, wie der Autor mir seine Geschichte beschreibt – natürlich mit seinen eigenen Worten – kann ich mir als Verlegerin vorstellen, dieses Buch in großer Auflage drucken zu lassen und es in die Welt der Kinderbücher zu begleiten. Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg.

Der Kinderbuchautor sollte das Alter seiner Leser kennen.

Auf meine Frage, für welches Alter er geschrieben habe, druckst er kurz rum und sagt: „Ja … ähm … also … Ich denke von 6 bis 12 Jahre.“ So, so – also sechsjährige Kinder lesen die gleichen oder auch selben Bücher, wie zwölfjährige „Fast-Teenager“. Hm, das ist mir neu.

„Das ist doch gar nicht soo wichtig, oder? Aber, jetzt, wo Sie fragen – ich denke, dass 10-jährige Kinder das gerne lesen würden.“

Dieser Kinderbuchautor hat sich also noch keine Gedanken um das Lesealter gemacht. Das ist ein fataler Fehler. Mit netten Worten erkläre ich ihm, dass es wichtig sei, vorher das Lesealter festzulegen.

Es macht einen sehr großen Unterschied, ob Grundschulkinder ein Buch lesen, oder ob es für Kinder der weiterführenden Schule geeignet ist. Der erste Blick fällt auf die Schriftgröße. Nun sagst Du: „Das wird doch später vom Setzer festgelegt.“ Ja, das ist richtig.

Wie lang darf eine Geschichte sein?

Die Geschichte darf nicht zu lang sein, denn sonst verliert das Kind die Lust beim Lesen, wenn es einen riesengroßen Wälzer vor sich hat, weil die Schriftgröße verdoppelt wurde.

Ein Buch für Erwachsene mit ca. 60.000 Wörtern hat rund 250 – 270 Seiten. Ein Kinderbuch für Grundschüler dagegen wird meist nur mit ungefähr 5.000 – 6.000 Wörtern geschrieben. Die Seitenzahl beträgt bei einer großen Schriftgröße ohne Illustrationen ca. 55 Seiten. Das reicht für ein Grundschulkind und es ist glücklich, dieses Buch gelesen zu haben. Natürlich kommt es auch auf die Geschichte an.

Kleine Kinder brauchen kurze Sätze. Das ist Fakt. Auch Fremdwörter sollten vermieden werden. Wenn ein Kind erst einmal nachdenken muss, was Proviant oder eine Anekdote oder gar Toleranz bedeutet, hat es keine Lust mehr, weiterzulesen. Für uns Erwachsene sind diese Worte und deren Bedeutung selbstverständlich, doch Kinder müssen sich ihr Wissen mit der Zeit aneignen.

Der Kinderbuchautor sollte auch wissen, dass es einen großen Unterschied macht, ob dem Kind aus dem Buch vorgelesen wird, oder ob es selber lesen kann. Die Schriftgröße habe ich bereits angesprochen. Auch die Zeilenhöhe ist bei einem Kinderbuch größer, als bei einem Roman für Erwachsene.

Was nicht nur der Kinderbuchautor über Bilder wissen sollte.

Wenn ich das alles als Kinderbuchautor vor Augen habe, wird mir schnell klar, warum das Lesealter wichtig ist. Dementsprechend kann ich meine Geschichten schreiben.

Bilder sind in einem Kinderbuch genauso wichtig, wie all die anderen Vorgaben. Malt der Kinderbuchautor die Bilder selber, besitzt er das Urheberrecht.  Das ist gut. Kann er allerdings nicht malen, dann sollte er nachweisen können, dass die Bilder, die er in seinem Buch verwendet, mit Zustimmung des Rechteinhabers genutzt werden dürfen.

Ich als Verlegerin lasse es mir gerne schriftlich bescheinigen, denn bei falscher oder fehlenden Urheberbenennungen drohen teure Abmahnungen.

Kinderbuchautoren sind Künstler und ich liebe gute Kinderbücher, die gut durchdacht und aufgebaut sind.

Ich hoffe, dass ich Dir einige Denkanstöße geben konnte und grüße Dich,

Deine Annette Meißner

 

4 Kommentare

  1. Marion Bischoff

    Das Lesealter für meinen Roman ist 10 bis 12.
    Welche Seitenzahl wäre hier denn sinnvoll?

    Antworten
    • Annette Meißner

      Liebe Marion,
      das kann ich Dir leider nicht so pauschal beantworten. Unter anderem kommt es darauf an, um was es in der Geschichte geht.
      10-12jährige Kinder können sehr ausdauernd sein und lieben es zu lesen. Mit dieser Altersgruppe befindest Du Dich auch direkt zwischen zwei Lagern: Die 8-12jährigen lesen eher noch Kinderbücher, während man ab 12 Jahren schon zu Jugendbüchern rät. Letztere haben häufig schon eine Länge wie Erwachsenenliteratur und dürfen gerne umfangreich sein.
      Kinderbücher hingegen liegen empfohlenermaßen zwischen 100 und 150 Normseiten. Je spannender das Buch für das Kind ist, um so lieber wird es gelesen. Dies gilt natürlich für jeden Roman.
      Viele Grüße sende ich Dir,
      Annette

      Antworten
  2. Ragnar G.

    Da ich fast ausschließlich Märchen schreibe und diese ab 5 Jahre zu vorlesen gedacht sind, ist das sicherlich wieder etwas anders. Ich verwende absichtlich auch alte Begriffe, damit die Kinder diese kennenlernen.
    Mein Märchen haben meist zwischen 1000 und 4000 Wörter.

    Antworten
    • Annette Meißner

      Liebe Ragnar,
      das mit den alten Wörtern finde ich eine sehr gute Idee. Gefällt mir außerordentlich gut. Natürlich ist es auch wichtig, den Kindern diese Wörter zu erklären, wenn sie sich zu fremd anhören. So kannst Du Dir sicher sein, dass sie das Interesse daran nicht verlieren. Auch, dass die Märchen nicht zu lang sind, gefällt mir.
      Ich schicke Dir viele Grüße aus Solingen rüber,
      Annette

      Antworten

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